In unserem letzten Blogpost haben wir dir von unseren neuen Programmen erzählt.
Es ging darum, dass Aufklärung und Bildung zwar viel bewirken und elementar wichtig sind, um Menschenhandel und Moderne Sklaverei zu bekämpfen, aber viele Herausforderungen wie Armut bleiben erstmal bestehen. Armut zwingt viele Familien dazu, ihre jugendlichen Kinder trotz bekannter Risiken in unsichere Arbeitsverhältnisse zu schicken, damit sie zum Lebensunterhalt der Familie beitragen können.
Aus diesem Grund haben wir damit angefangen, Familien in ihrer Selbstversorgungsfähigkeit zu stärken. Das geschieht entweder über kleine Startups, die wir mit den Familien planen und umsetzen, oder über Modelle zur Selbstversorgung, wie beispielsweise eine kleine Hühnerfarm. Dazu haben wir schon in unserem letzten Blogbeitrag berichtet.

UNSER AUSBILDUNGSPROGRAMM
Ein weiterer Bereich, um Menschen längerfristig aus Armut herauszuführen, ist unser neues Ausbildungsprogramm, welches wir schon im letzten Jahr starten konnten.
Hier geht es darum, Jugendliche, die ihre schulische Laufbahn nicht mehr fortsetzen können, an Ausbildungszentren in der Stadt Siem Reap zu vermitteln und sie währenddessen intensiv zu begleiten.
Das klingt erstmal simpel, ist aber in der Praxis mit vielen Herausforderungen besetzt. Doch das ist es uns wert, denn der Schutz gegen Ausbeutung ist damit deutlich höher und Familien werden besser versorgt.
WIE SIEHT DAS KONKRET AUS?
Das Problem ist erstmal, dass es viele Jugendliche in den Dörfern gibt, die keinen schulischen Abschluss haben. Einige treten in die Fußstapfen ihrer Eltern und werden Bauern, viele jedoch werden von ihren Familien zum Arbeiten in die Städte oder in andere Regionen und auch Länder geschickt. Genau hier liegt die Gefahr, ausgebeutet zu werden. Denn ohne ausreichende Bildung oder Ausbildung können sie schnell zum Opfer werden von unsicheren/gefährlichen Jobs, schlechter oder gar keiner Bezahlung, bis hin dazu, dass sie zu Arbeiten, wie Prostitution, gezwungen werden.

Eines Tages bekam unser Team einen Anruf von einer Frau aus einem der Dörfer, mit denen wir zusammenarbeiten.
Sie war noch nicht Teil unseres Programms, hatte aber schon von uns gehört und dass wir Familien in Not unterstützen.
Sie erzählte uns von ihrer Tochter, die in der Küstenregion in einem Casino arbeitete. Das klingt erstmal nicht problematisch, doch sind diese Casinos selten Orte, wo man in guter Gesellschaft ist. Uns haben vorher schon Berichte erreicht, dass junge Frauen mit normalen Jobs in Casinos beginnen und später dann zu mehr gezwungen werden können. Selten sind diese Casinos in Kambodscha legal und bieten somit die Gefahr, dass Menschen dort ausgebeutet werden.
Daraufhin haben wir für die 17-jährige Tochter einen Ausbildungsplatz bei einem unserer Partner in Siem Reap gesucht und gefunden. Glücklicherweise konnte sie das Casino ohne Probleme verlassen.
Nun erlernt sie mit noch 9 weiteren Jugendlichen aus unseren Programmen einen Beruf im Tourismussektor. Für sie, ihre Familie und nicht zuletzt für uns ist das schon jetzt eine Erfolgsgeschichte.
ZWISCHEN ÜBERLEBEN UND AUSBILDUNG
Doch die Möglichkeiten, sich ausbilden zu lassen, sind vielen Familien in den entlegenen Gebieten noch gar nicht bekannt. Also braucht es erstmal viel Aufklärungsarbeit, was das genau ist und wie viel mehr so eine Ausbildung wert sein kann, als so schnell wie möglich irgendwie Geld zu verdienen.
Zudem stellt es für viele Familien eine nahezu unüberwindbare Herausforderung dar, wenn ihre jugendlichen Kinder eine Zeit lang kein Geld verdienen würden. Sie also in eine Ausbildung zu schicken, wo sie erstmal gar nichts zur Familie beisteuern können, ist für diese Familien kaum umsetzbar.
Aus diesen Gründen bieten wir den Familien, die ihre Kinder mit uns in eine Ausbildung schicken, eine zusätzliche Unterstützung an. Während der Ausbildung bekommen manche Familien, deren Kinder vorher zur essentiellen Versorgung der Familie beigetragen haben, regelmäßige Essenspakete.
Denn ohne diese Unterstützung wäre es für einige Familien nahezu unmöglich, ihre Kinder ausbilden zu lassen.

ALLTÄGLICH, ABER NICHT SELBSTVERSTÄNDLICH
Bei diesen Geschichten fällt uns immer auf, wie wertvoll es ist in einem Land aufzuwachsen, wo Eltern für die Familie sorgen können, wo es sichere Arbeitsplätze gibt, wo Kinder eine überdurchschnittlich gute Schulausbildung bekommen, wo junge Menschen einen Beruf erlernen oder ein Studium absolvieren können und dabei noch vom Staat oder den Eltern unterstützt werden und wo kaum jemand Hunger leiden muss.
Das schreiben wir nicht, um auf die Tränendrüse zu drücken oder um ein Armuts Bild von Kambodscha zu erzeugen. Aber für manche Familien sind diese Dinge alles andere als selbstverständlich und manchmal vergessen wir viel zu schnell, wie gut wir es eigentlich haben.
Für was bist du heute dankbar? Welche Dinge in deinem Leben hast du vielleicht noch nie als Segen wahrgenommen, weil sie einfach alltäglich, aber nicht selbstverständlich sind?
Für uns ist es auf jeden Fall nicht selbstverständlich, dass wir diese Arbeit in Kambodscha leisten dürfen und dass es viele Menschen und Gemeinden gibt, die diese Arbeit durch Gebete und Spenden ermöglichen und tragen. Vielen, vielen Dank dafür!
Wir hoffen darauf, dass wir noch mehr jungen Menschen eine bessere Zukunftsperspektive bieten können. Momentan werden von uns 10 Jugendliche in verschiedenen Ausbildungen betreut und deren Familien unterstützt. Doch der Bedarf ist natürlich größer und in diesem Jahr würden wir gern bis zu 40 junge Menschen mit unserem Ausbildungsprogramm unterstützen.
Für die Jugendlichen ist das eine enorme Chance und bietet ausreichenden Schutz vor Ausbeutung – genau das, wofür wir kämpfen.
Hast du Lust uns dabei zu unterstützen? Für die Unterstützung eines/einer Jugendlichen und seiner/ihrer Familie benötigen wir pro Jahr knapp 875$. Pro Monat sind das weniger als 75$.
Falls dir noch etwas unklar ist, oder du noch Fragen hast, kannst du uns sehr gern kontaktieren.
Wir würden uns sehr freuen.
Danke, dass du uns unterstützt, Kinder & Jugendliche vor Ausbeutung zu schützen!

